Junge Gemeinde mit Geschichte

Riedstadt ist eine junge Stadt mit gewachsener Tradition. Sie entstand am 1. Januar 1977 im Zuge der hessischen Gebietsneugliederung durch den Zusammenschluss der ehemals selbstständigen Gemeinden Goddelau, Crumstadt, Erfelden, Leeheim und Wolfskehlen. Bereits 1973 hatten Goddelau und Wolfskehlen freiwillig fusioniert und damit einen ersten Schritt in Richtung der heutigen Stadt getan.

30 Jahre nach diesem Zusammenschluss wurde Riedstadt am 14. Januar 2007 offiziell zur Stadt erhoben. Die entsprechende Urkunde überreichte der damalige hessische Innenminister und spätere Ministerpräsident Volker Bouffier. Damit zählt Riedstadt zu den jüngsten Städten Hessens. Eine weitere besondere Auszeichnung folgte am 13. August 2019 mit der Verleihung der offiziellen Zusatzbezeichnung „Büchnerstadt“. Die Urkunde hierzu wurde vom hessischen Innenminister Peter Beuth überreicht.

Mit einer Gemarkungsfläche von 7.376 Hektar (73,76 km²) ist Riedstadt die flächenmäßig größte Kommune im Kreis Groß-Gerau. Die Stadt verbindet eine noch vielfach erhaltene ländliche Struktur mit der Nähe zu den wirtschaftsstarken Großstädten Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz und Mannheim. Eine gute Verkehrsanbindung sowie die Einbindung in den Verkehrsverbund Rhein-Main unterstreichen die hohe Standortqualität.

Durch die gezielte Ansiedlung umweltfreundlicher Gewerbebetriebe und eine vorausschauende Stadtentwicklung ist es Riedstadt gelungen, attraktive Voraussetzungen für Leben, Arbeiten, Wohnen und Freizeit zu schaffen. Zusätzlich profitiert die Stadt von der unmittelbaren Nähe zu bedeutenden Naherholungsgebieten wie dem Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue sowie der Bergstraße, dem Odenwald und dem Taunus. Riedstadt steht damit gleichermaßen für Fortschritt und Tradition.

Riedstädter Stadtteile

Riedstadt entstand 1977 im Rahmen der Gebietsreform aus den ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Stadtteilen:

CrumstadtErfelden
GoddelauLeeheim
WolfskehlenPhilippshospital

 

Crumstadt

Crumstadt wurde 1248 erstmals urkundlich erwähnt, doch ist davon auszugehen, dass es sich – wie bei den umliegenden Ortschaften – um eine wesentlich ältere fränkische Siedlung handelt. Diese frühe Besiedlung wird auch durch einen bedeutenden archäologischen Fund belegt: In Crumstadt wurde das äußerst gut erhaltene Skelett einer jungen Frau aus der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) entdeckt. Die “Frau vom Sand” ist, wie andere Exponate zur Geschichte Crumstadts - im Heimatmuseum Crumstadt zu sehen. Durch Verpfändung und Vererbung gelangte das Reichsdorf in den Besitz des Grafengeschlechts von Katzenellenbogen; nach deren Aussterben fiel das Reichslehen an die Grafen von Hessen. Besonders nach 1945 nahm Crumstadt einen großen Aufschwung, wobei neue Baugebiete erschlossen sowie eine Sporthalle und moderne Sportplatzanlagen errichtet wurden.

Rotes Wappen mit silberner Raute.
Wappen von Crumstadt

Erfelden

Blaues Wappen mit weißer Lilie und zwei goldenen Sternen.
Wappen von Erfelden

Erfelden blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Wie Schenkungsurkunden des Kloster Lorsch belegen, besteht der Ort bereits seit dem 8. Jahrhundert; das älteste erhaltene Dokument stammt aus dem Jahr 779. Besonders prägend war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Im Jahr 1631 überschritt der schwedische König Gustav II. Adolf von Schweden mit seinen Truppen von Erfelden aus überraschend den Rhein. Von hier aus eroberte er zunächst Oppenheim und anschließend Mainz. In Erinnerung an diesen wichtigen Sieg ließ Gustav Adolf am heutigen Altrhein die Schwedensäule errichten. Der König übernachtete zweimal im damaligen Bürgermeisterhaus in der heutigen Wilhelm-Leuschner-Straße. Das Gebäude existiert bis heute; eine Gedenkplakette erinnert an den berühmten Gast. 

Viele Zeugnisse dieser bewegten Vergangenheit bewahrt heute das Erfelder Heimatmuseum im alten Rathaus. Auch ein wichtiges Zeugnis jüdischen Lebens ist in Erfelden erhalten geblieben: Die Erfelder Synagoge wurde im Gegensatz zu vielen anderen Gotteshäusern weder zerstört noch zur Unkenntlichkeit verändert. Heute dient sie als Museum und Begegnungsstätte.

In jüngerer Zeit hat sich Erfelden zu einer attraktiven Wohngemeinde mit moderner Infrastruktur entwickelt. Dazu gehören Großsporthalle, Sportplätze, Spielplätze, Kindertagesstätten und Grundschule. Durch seine Brücke über den Altrhein gilt Erfelden außerdem als „Tor zum Kühkopf“. Die Insel ist Bestandteil des Naturschutzgebiets Kühkopf-Knoblochsaue, des größten Naturschutzgebiets Hessens, das mit seiner einzigartigen Auenlandschaft zahlreiche Besucher anzieht.

Goddelau

Gelbes Wappen mit rotem Kreuzsymbol.
Wappen von Goddelau

Goddelau ist der größte Stadtteil Riedstadts und verbindet eine lange Geschichte mit moderner Infrastruktur. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 834. In einer Schenkungsurkunde übertrug Graf Gundram seinen Besitz „in Terminis Gotalohono“ an die Abtei Fulda. Über viele Jahrhunderte war das Leben im Ort vor allem durch Landwirtschaft und Handwerk geprägt. Im Jahr 1588 lebten in Goddelau etwa 180 Menschen.

Ein bedeutendes historisches Gebäude im Ort ist das Fachwerkhaus in der Weidstraße, das 1665 errichtet wurde. Es wurde später zum Geburtshaus des berühmten Dichters, Sozialrevolutionärs und Naturwissenschaftlers Georg Büchner. Seit 1998 befindet sich dort ein Museum, das Leben und Werk des Schriftstellers anschaulich darstellt. Das heute als Büchnerhaus bekannte Gebäude hat sich zu einem beliebten kulturellen Treffpunkt entwickelt.

Leeheim

Rotes Wappen mit aufrecht stehendem Dreizack.
Wappen von Leeheim

Leeheim blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Der Ortsname weist auf eine fränkische Gründung hin. Die älteste bekannte Urkunde stammt aus dem Jahr 766: Darin wird eine großzügige Schenkung eines Mannes namens Dodo von Leeheim an das Kloster Lorsch bezeugt. Damit gehört Leeheim zu den frühesten urkundlich erwähnten Siedlungen im gesamten Hessischen Ried.

Eine bedeutende historische Begebenheit ereignete sich im Jahr 1024 auf dem Gebiet der heutigen Gemarkung Leeheim. Im inzwischen untergegangenen Ort Kamba am rechten Rheinufer wurde der Salier Konrad II. von den Fürsten des Ostfränkischen Reiches zum König gewählt. Dieses Ereignis markiert einen wichtigen Moment der deutschen Geschichte.

Im Laufe der Jahrhunderte stand Leeheim unter der Herrschaft verschiedener Adelsgeschlechter, darunter die Herren von Wolfskehlen und später die Grafen von Katzenelnbogen. Um das Jahr 1530 wurde der Ort im Zuge der Reformation evangelisch geprägt. Besonders schwer traf den Ort der Dreißigjährige Krieg: Von ursprünglich 113 Häusern blieben nach den Verwüstungen nur noch etwa 30 übrig.

Heute präsentiert sich Leeheim als lebendiger Ort mit attraktiven Freizeit- und Kulturangeboten, wie zum Beispiel das Heimatmuseum. Über die Region hinaus bekannt sind vor allem das Naherholungsgebiet Riedsee, die Golfanlage auf dem Gelände des Hofgut Hayna sowie das Theaterprojekt BüchnerBühne Riedstadt.

Wolfskehlen

Rotes Wappen mit einem weißen steigenden Wolf und Wolfsangel.
Wappen von Wolfskehlen

Wolfskehlen kann auf eine über tausendjährige Geschichte zurückblicken. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1002. Archäologische und historische Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass bereits zuvor eine frühfränkische Siedlung an dieser Stelle bestand.

Der Name des Ortes geht auf das Rittergeschlecht der Herren von Wolfskehlen zurück, das hier seinen Stammsitz hatte und dem Dorf schließlich seinen Namen gab. In älteren mittelalterlichen Urkunden wurde der Ort noch als „Biblos“ oder „Bibiloz inferior“ bezeichnet. Im Jahr 1252 verkauften die Herren von Wolfskehlen die Burg Neuwolfskehlen an den Erzbischof von Mainz und wurden anschließend dessen Burggrafen. Neben dieser Anlage existierte auch die Burg Alt-Wolfskehlen beim heutigen Hofgut Burghof. Von beiden Burgen sind heute oberirdisch keine Reste mehr sichtbar.

Schwere Zeiten erlebte das Dorf während des Dreißigjährigen Krieges. Krieg, Verwüstungen und die Pest führten zu dramatischen Verlusten in der Bevölkerung; nach Berichten von Heimatforschern wurde nahezu die gesamte Einwohnerschaft ausgelöscht. Erst im 18. Jahrhundert begann sich das Dorf langsam zu erholen.

Mit dem Bau der Eisenbahn zwischen 1868 und 1878 begann eine neue Phase der Entwicklung. Die zuvor stark landwirtschaftlich geprägte Gemeinde wandelte sich zunehmend, da viele Einwohner Arbeit in der aufstrebenden Industrie der umliegenden Städte fanden. 

Bis heute setzt sich die positive Entwicklung des Stadtteils fort. Moderne Sportanlagen, das Bürgerhaus, ein Heimatmuseum, ein großer Gewerbepark sowie neue Wohngebiete sind sichtbare Zeichen des wirtschaftlichen und kommunalen Wachstums. 

Der "sechste" Stadtteil: Das Philippshospital

Das Philippshospital ist eines der ältesten psychiatrischen Krankenhäuser weltweit. Im Zuge der Reformation beschloss der Landgraf zu Hessen “Philipp der Großmütige” die Aufhebung aller Klöster und Pfarreien in seinem Land. 1535 erfolgte die Umwandlung der „Großpfarrei Hofheim“ in das „Hohe Landeshospital Hofheim“. 1904 wurde es zum 400. Geburtstag seines Gründers nach ihm benannt. Das Spital war auch ein großer landwirtschaftlicher Betrieb, in dem die Kranken soweit möglich mitarbeiteten. Sei es auf den umliegenden Äckern oder in der eigenen Bäckerei, Weberei, Korbflechterei, Bierbrauerei oder Schmiede. Auch Viehzucht wurde betrieben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Hospital gleich drei Mal überfallen und die Hospitalkasse geplündert.

Es war ein langer Weg von der „Großherzoglichen Landesirrenanstalt“ über das finsterste Kapitel mit dem Abtransport und der Ermordung von 596 psychisch Kranker in der Nazizeit und den schwierigen Anfängen nach dem Krieg als reine Verwahranstalt bis zu dem modernen psychiatrischen Krankenhaus heutiger Zeit. Im Psychiatriemuseum kann die Geschichte und jahrhundertalte Tradition der Psychiatrie im Ried erlebt werden.

Heute gehören zu Vitos Südhessen am Standort Riedstadt neben der Erwachsenenpsychiatrie des Philippshospitals die Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit, die Klinik für forensische Psychiatrie, diverse psychiatrische Tageskliniken und Ambulanzen sowie die begleitenden psychiatrischen Dienste.

Historische Aufnahme Philippshospital

Daten und Statistiken

StadtteilEinwohnerzahl
Crumstadt4.357
Erfelden4.618
Goddelau6.946
Philippshospital435
Goddelau mit Philippshospital7.381
Leeheim4.257
Wolfskehlen4.316
Riedstadt insgesamt24.929
Einwohner in Riedstadt, Stand 30.06.2026

Strukturelle Rahmenwerte

Daten und Zahlen über die hessischen Gemeinden, stellt das Hessische Statistisches Landesamt zur Verfügung.
Folgende Bereiche werden in der Statistik abgedeckt:

Bevölkerung - Flächennutzung - Gebäude und Wohnungen - Gemeindefinanzen - Gemeindepersonal - Landwirtschaft - Lohn- und Einkommensteuer - Produzierendes Gewerbe - Straßenverkehrsunfälle - Tourismus - Umsatzsteuer

Bodenrichtwerte

Die aktuell geltenden Bodenrichtwerte für alle Stadtteile der Büchnerstadt Riedstadt finden Sie auf www.boris.hessen.de

Sofern Sie weitere Fragen zur Grundstückswertermittlung und zu den Leistungen des Gutachterausschusses haben, können Sie sich auf der entsprechenden Internetseite www.gutachterausschuss.hessen.de informieren